Wo wohnt der liebe Gott (Teil 4)
Teil 4: in der Natur
Es gibt einen Namen für die Sichtweise, dass alles in der Natur beseelt sei - Animismus. Fasst man den Begriff weiter und denkt sich alle Dinge als “heilig” so kommt man zum Pantheismus. Aber auch im Christentum gab es immer wieder Mystiker, die Gott in der lebendigen Natur erlebt haben. Bislang konnte ich noch nicht herausfinden, was ganz genau mit den Begriffen Animismus und Pantheismus gemeint ist und was nicht - vielleicht kann mir jemand auf die Sprünge helfen! Aus den Erklärungen in Wikipedia wurde ich auch nicht so recht schlau. Aber sicherlich lohnt es, sich damit zu beschäftigen - ich halte den Funken des Lebens für das größte Mysterium überhaupt!
Die entsprechende wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem Leben beschäftigt, ist die Biologie. In naturwissenschaftlicher Tradition wird untersucht, seziert und kategorisiert. Wir haben der Biologie wesentliche Erkenntnisse zu verdanken, so dass sie sicher einen Ehrenplatz im Reigen der Naturwissenschaften verdient hat. Wenn man aber dem Geheimnis des Lebens auf die Spur kommen will, kann man mitunter enttäuscht werden.
So ging es auch dem Autor des Buches: Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften (Andreas Weber)
Das Buch hat zwar nicht direkt mit dem lieben Gott zu tun, aber mit den Bereichen, in denen die Biologie mit den traditionellen Denkmethoden an ihre Grenzen gestoßen ist und welche neuen Ansätze es geben kann, aus der Sackgasse “untersuchen, sezieren, kategorisieren” herauszukommen.
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Hört sich interessant an. Denke das werd ich bei Gelegenheit bestellen.
Ähnlich sieht es aus mit dem Buch von Bill Bryson. Ich glaube das habe ich sogar bereits vorgestellt. Auf jeden Fall war für mich auch interessant zu erfahren, wieviel Information eigentlich in der DNS steht.
Für einen Atheisten würde das wieder für die genialität der Natur stehen.
Aber in unserer Gemeinde gab es einmal einen Vortrag über eben diese DNS.
Das interessante dabei ist, dass die DNS, in ‘gefalteter’ Lage, mal gerade 1/10 mm groß ist. Dabei jedoch eine Länge von 2m(!) aufweist.
Und wenn wir uns mal überlegen, wie heutzutage ein Programm auf dem Computer oder sogar ein Roboter zum ‘leben’ erweckt wird, nämlich ebenso mit Informationen beladenen ‘Zellen’ / ‘Chips’.
Zudem ist die DNS jedes Menschen annähernd identisch.
Woher stammen diese Informationen? Ich meine, die ERSTE Lebensform, muss ja bereits etwas in der Form gehabt haben. Aber aus dem NICHTS?
Und selbst wenn es nicht ‘NICHTS’ war. Von ein paar Stein und Schlammbrocken wird der Einzeller seine Informationen sicher nicht bekommen haben.
mfg
@Stefan
Meinst Du “Eine kurze Geschichte von fast allem” von Bill Bryson? Ich habe es gerade hier liegen und überlege, ob ich es jetzt lesen soll - allerdings liegen noch 3 andere Bücher da, hmmm, mit was fange ich an?
Zum Thema DNS kann ich die Idee beitragen (aus dem o.g. Buch von Andreas Weber), dass eigentlich relativ wenige konkrete Informationen auf der DNS gespeichert sind und diese Schlüsselinformationen vom Organismus im Wachsen “frei” interpretiert werden.
Für Interessierte: Der Zeit-Artikel “Großvaters Erblast”
beschäftigt sich u.a. mit der Frage “Hatte Lamarck nicht doch ein klein wenig recht?”
Ja genau, das Buch meine ich. Finde ich sehr interessant geschrieben. Zum Schluss wird es sehr zäh, weil er sich in biologischen Einzelheiten verliert. Aber kann man gut lesen.
Ich glaube, die Wahrheit liegt in der Mitte. Wenn Darwin 100%ig recht hätte, dann müsste man doch so etwas in der heutigen Natur wiederfinden. Also eine Giraffe mit einem kurzem Hals, oder ein Leopard mit einem kurzem Schwanz.
Und selbst wenn es so passiert wäre, es wäre nur ein Teil der DNS, der diese vorteilhafte Veränderung mit sich bringt.
Und klar, hatte Lamarck ein bisschen Recht. Ich meine Krankheiten werden vererbt. Krebs in der Generation vor mir, bringt höheres Risiko mit sich, ebenfalls an Krebs zu erkranken.
Guten Tag Schlammschwimmer,
Animismus gehört für mich zur Schamanischen Kultur, Nordasien, das vorbuddhistische Tibet, die einstigen Ssami (”Lappen”), die Jakuten, Tschuktschen, stark wirksam: Klassischen Mongolen, (in Spuren: wohl bei frühesten antik-griechischen Stämmen) und natürlich die Indianer Nordamerikas; vielleicht Kalahari-Buschmänner und Aborigines: Typisch ‘belebte Felsen’, heilige Bäume und Quellen:Natur-Objekte, Natur-Fetische tragen ‘Kräfte’.
Pantheismus ‘kam Jahrtausende später’, nach Stadtbau (Ägypten, Zweistromland, China), nach Patriarchat (China, Persien, Rom). Pantheismus ist eine ‘Rückbesinnung’ auf einen - verloren gegangen geglaubten - Urzustand der Einheit mit dem Weltganzen (durchaus: Parallele zum Sündenfall-Motiv). Aus meiner Sicht hat eine städtisch-patriarchalisch geprägte Kultur a) die Phase des Polytheismus durchlaufen und b) die des Monotheismus zu Blüte gebracht, wenn Gelehrte/Künstler als ‘künstliche Schamanen’ die Natur wieder-beseelen. Üblicherweise werden sie von den Monotheisten verfolgt, die das Monopol auf Sinnstiftung haben. Zeitgleich zu den Pantheisten und oft tragisch-unnötig Gegenspieler derselben sind die Agnostiker und Wissenschaftler (Kepler, Darwin), die ja ebenfalls von der etablierten ‘Lehre’ verfolgt wurden (Kepler, Giordano Bruno) und werden (alle Freidenker und Humanisten im Islam).
Animismus: Jäger- und Sammler, allenfalls Bauernkulturen,
Pantheismus: Kreative Köpfe, die in der Stadt Traum, Mythos und Ratio versöhnen (C.G.Jung, Willigis Jäger).
Andererseits dürfen wir den Künstler Joseph Beuys als ‘animistisch’ bezeichnen oder das Adjektiv in Bezug auf das Interpretieren seiner Kunstwerke benutzen. Und, völlig klar, Goethe und Rilke und Hesse verdienen das Adjektiv ‘pantheistisch’. Sind Künstler nich immer ein wenig pantheistisch (Romantik, Sehnuch, Utopie, Traum, Vision) oder gar animistisch (Fetisch-Gegenstände (durchaus sexuell und etwas obszön, klar), war der Vogle Loplop nicht das “indianische Totemtier” des Malers Max Ernst? Die ‘Kräfte-tragenden, von Kräften aufgeladenen’ Natur-Fetische wie Fell, Honig, Holz und Filz eines Beuys verraten … Animismus.
Voodoo ist sehr stark Animismus: Unheimlichkeit, Energie, Brisanz, Ekstase, Fetische. Die Öko-Spiritualität um Greenpeace, Robin Wood hat klare pantheistische Züge (Stadtbewohners Sehnsucht nach dem grünen Wald).
Gott hat Karriere gemacht, ob Jupiter, Jahwe, Allah oder Zeus:
Islam:
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/04/der-koran-das-heilige-buch-des-islams-plotzlich-war-es-da/
Pantheismus ist eine … ‘Seelenlage der Lernbereitschaft’:
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2008/01/27/048-islam-als-pantheismusphobie/
Radikaler Dualismus spaltet. Von Nützlich/Nachteilig über Gut/Böse zu Himlisch/Satanisch. Von Mann/Frau über Macho/Heimchen zu Jihadist/Niqabi:
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/04/kopftuch-spaltet-frau-ist-nicht-mann-nichtmuslim-ist-nicht-muslim/
Orientalischer Atheismus
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/06/atheistische-islamkritik-als-fallstrick/
Politisch: Säkularität geht vor! Bayern indes bastelt an der Scharia
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2007/11/06/gott-statt-spott/
England auch super multikulturell: Erzbischof Rowans liebäugelt mit der inhumanen Scharia
http://jacquesauvergne.wordpress.com/2008/02/08/050-bischof-will-scharia/
Ich empfehle die Lektüre von Hermann Hesse:
Siddhartha; von C.G.Jung und Willigis Jäger
Mit freundlichen Grüßen
Jacques Auvergne
Unser Gehirn (oder so…), unser “Weltverstehen” funktioniert nach dem Figur-Grund-Motiv. Der Witz von der ‘Fahne Ostfrieslands: Weißer Adler auf weißem Grund” mag das erhellen: Man würde nichts sehen. Wir brauchen Kontraste.
Die ‘autoritäre Persönlichkeit’ hält die Zwischentöne nicht aus, sucht ein rigides Modell der (Politik und/oder) Weltanschauung bzw. Religion.
Menschen trennen seit Jahrtausenden die göttliche Sphäre von der weltlichen. Das heißt noch nicht, dass es Manitou oder Pantheon “gibt”, ein Bedürfnis - romantisierend, fetischisierend, personifizierend - scheint allemal zu bestehen, Geistwesen, meistens anthropomorph (menschengestaltig) vorgestellt … zu kultivieren und zu kommunizieren.
Religion ist Gruppenkultur, Gruppendynamik. Ein Mensch alleine mag ja Mystiker sein, Poet, Visionär oder auch Prophet, erst im sozialen Kontext spielt er eine religiöse Rolle. Naja, der symbolische Robinson Crusoe wird Religion gehabt (beibehalten) haben bis Donnerstagabend (”Freitag”s-Besuch).
Kinder beseelen ihre Puppen, 60% der männlichen Erstklässler haben einen unsichtbaren Freund, Engelgebetkreise haben in der ‘Postmoderne’ Konjunktur und Religion ist … alles andere als tot.
Wie sehr ist Pantheon und Kosmos voneinander getrennt - das ist die Frage, nach dem “Grad” des Pantheismus/Dualismus. Manichäer und Muslime trennen Gott und Welt nahezu 100%ig: Gott ist stumm, weit weg, rechnet schlussendlich brutal ab, Hare Krsna und Zeugen Jehovas empfinden ähnlich dualistisch. Indische wie süditalienische oder griechische Mehrheiten ‘fühlen’ eine viel größere Nähe des sprechenden, zeichensetzenden Gottes zum Alltäglichen.
Pantheismus ist etwas Graduelles, Relatives, schon im Kontrast zum religiösen Umfeld wird der Pantheist erkannt (oder nimmt sich selbst wahr) oder eben nicht: Im klassischen Islam also sehr schnell (im heutigen Sufismus kaum); im klassischen Griechenland wohl eher überhaupt nicht. Die Verflochtenheit, Verzahntheit von Kosmos und Pantheon war in Hellas sozusagen vereinbartes Allgemeingut, hier wäre der Zoroastsrier ‘auffällig’, hier erregten Christen Erstaunen.
An die Urknalltheorie kann wohl kaum einer glauben, die ersten paar konstruierten ‘Stunden’ unseres Kosmos erklärt man passender mit Edda, Gilgamesch-Epos oder griechischer Kosmologie und -genese, nicht mit dem ‘Urknall’ (der mir auch zu evangelikal-kompatibel ist, der einen Herrn Weltschöpfer gewissermaßen gleich mit-konstruiert. Da ist mir aber der tanzende Shiva lieber als die nordamerikanisch-theokratische Variante aus dem Bible-Belt).
Hin und wieder wird die Analogie und Kongruenz von Onto- und Phylogenese betont (Onto-G..: Selbstwerdung des Individuums und Phylo-G. Stammesgeschichte/Menschheitsgeschichte), ein anregendes Szenario. Demnach würde ein Kleinkind animistisch sein (die beseelte Puppe), ein Jugendlicher Polytheist (Heldentümelei), ein junger Erwachsener monotheistisch-streng (Al-Qaida, Taliban, Kreationisten) und eine reifere Persönlichkeit milder Mythologiefreund (Willigis Jäger). Viele bleiben aber auf halber Strecke stecken, nun ja. Religionspädagogik ist Begleitung hin zur Reife.
Bevor sich jemand vor den Zug wirft, “soll” er wohl zu den … Neuapostolischen oder Jehovas Zeugen gehen, er “braucht” die ‘Gehhilfe der unreifen Religion noch’. Ich hoffe aber, er verlässt die geistige Enge (des Kreationismus, der Evangelikalen, der Milli Görüs, des islamischen Fundamentalismus).
Unsere Zeit erscheint vielen als unübersichtlich. In den belasteten Milieus und Wohnquartieren verbeiten sich fundamentalistische Weltbilder rasend schnell, ob NPD oder Islamismus. Weltanschauung kann Sprengstoff sein.
Es geht Qualitätskriterien des Religiösen. Universell! Andernfalls erklären wir den Terror-Piloten Mohammed Atta zu einem “frommen Menschen”, und daran kann keine Religionsgemeinschaft Interesse haben.
Mit lieben Grüßen an
Schlammspringer
Jacques Auvergne
Hallo Jacques Auvergne! (überarbeitet)
1. Vielen Dank für die Mühe, die Sie sich hier gemacht haben. Es sind viele sehr schöne Gedanken dabei. “Siddhartha” habe ich schon gelesen, fand es aber nicht so toll - kam mir vor, als ob es sich doch mehr an einen jungen Mann wendet und daher mit mir nicht sooo viel zu tun hat. Das Glasperlenspiel hat mir mehr gegeben, allerdings eher auf einer intuitiven Ebene, ohne dass ich genau beschreiben kann, warum es mich so angesprochen hat.
2. Ich war auf Ihrer Seite und habe mich beim Lesen immer wieder gefragt: was ist eigentlich Ihre Motivation, sich so intensiv mit dem Islam zu beschäftigen? Eine Kritik an fundamentalistischen Auslegungen egal welcher Religion ist sicherlich sinnvoll. Ich wünsche mir, dass wir nicht ungerecht werden und unseren Geist offen halten - nur so kann ein Gedankenaustausch möglich werden. Würden wir die Bibel fundamentalistisch auslegen und wortwörtlich ernst nehmen, käme auch allerhand Bizarres dabei heraus.
3. Zum Thema Schamanismus Nordasiens hätte ich eine Frage, die Sie vielleicht beantworten können: wenn ich es richtig verstanden habe, wird man zum Schamanen “berufen” bzw. “erwählt”. Ich dachte nach der Beschreibung der “Berufung” daran, dass so ein Schamane bei uns unter der Diagnose “Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis” oder “schizotype Persönlichkeit” laufen würde. Aber vielleicht stimmt das mit der Berufung so gar nicht, und es handelt sich um durchschnittliche Leute, die ein Handwerk erlernt haben, und um die im Nachhinein ein Mythos gewoben wird?